Beiträge mit dem Schlagwort: Archeomuse

Weltlehrertag

Für dich ausgegraben

 

 

Heute vor 26 Jahren wurde im Gedenken an die „Charta zum Status der Lehrerinnen und Lehrer“ (UNESCO) der Weltlehrertag eingeführt. Dies nehme ich zum Anlass, um über die Schule in Mesopotamien und in der Antike zu erzählen.

 

Mesopotamien

Der erste Gedanke an Mesopotamien gehört eher Palästen, Löwenjagd-Reliefs oder den ersten Städten und monumentalen Tempel (Zikkurat).

Doch Mesopotamien ist auch für die Erfindung der Schrift, Literaturwerke (z. B. Gilgamesh Epos) und die Weitergabe von Wissen an jüngere Generationen bekannt. Das ist der Moment in der Geschichte, in dem Verstanden wurde, dass die Bildung mehr wurde als das Erzählen von Geschichten oder das Weitergeben von Handelsfertigkeiten oder das Üben mit dem Schwert. Bildung bedeutet nun die Weitergabe von Wissen an jüngere Generationen, die das Lesen und Schreiben in einer strukturierten und systematischen Lernumgebung lernen können. Die Sumerer erkannten die Wichtigkeit Wissen weiter zu geben. Es hat nicht lange gedauert und die Babaylonier griffen diese Idee auf und entwickelte sie sogar noch weiter: Kinder wurden in den Fächern Rechnen und Geometrie zusätzlich zu den schon bekannten Fächern Lesen und Schreiben unterrichtet. Das Konzept der Schule war geboren. Damals hießen die Schulen noch „Tafelhäuser“ und die Lehrer „Vater“.

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Shuruppak, ca. 3.200 v. Chr.

 

Tontafeln aus dem 3. Jt. v. Chr. belegen, dass Kinder das Schreiben der vielen Keile erlernten, um später Texte (ab-)schreiben zu können. Schultexte, also Zeichenfolgen und Wörter sowie einfache Sätze, wurden zuerst auf runden Tontafeln und in einem weiteren Schritt auf rechteckigen abgeschrieben. Hilfslinien sind noch teilweise erkennbar. In Shuruppak (im heutigen Irak) wurden Räumlichkeiten mit Lehmziegelerhöhungen gefunden, die als Schulbänke interpretiert werden.

Ägypten

In Ägypten durften nur die Kinder wohlhabender Familien in die Schule. Bauern- und Handwerkskinder mussten meistens ihren Eltern helfen.

 

Griechenland

Im alten Griechenland gab es keine einheitliche „Schulpflicht“: In Sparta genossen nur Buben eine militärische Ausbildung. In Athen dagegen wurden Kinder reicher Familien zu Hause von einem Lehrer unterrichtet. Der Beruf des Lehrers war aber nicht sehr angesehen und dadurch schlecht bezahlt. Außerdem lag der Schwerpunkt bei Musik, Gesang und Sport.

 

Rom

Während dessen im Römischen Reiches unterrichteten die Eltern selbst ihre Kinder oder ein gebildeter (griechischer) Sklave hatte diese Aufgabe. Auch hier sind wir wieder weit entfernt von einer Schule, wie es sie in Sumer gegeben hat. Stundenplan, Klasse und Noten gab es keine, dafür Schläge und stundenlanges Abschreiben.

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T.E. Lawrence

Heute vor….

138 Jahren wurde Thomas Edward Lawrence geboren.

Da ich im Nahen Osten aufgewachsen bin, ist mir Lawrence seit Kindesbeinen ein bekannter Name. Ich bin auf Teilen der Hedjaz-Bahn Trasse in Saudi-Arabien gefahren und sah viele zerstörte Osmanische Züge und Stationen. Während meines Archäologie-Studiums in Beirut reiste ich sehr viel im Libanon aber auch in Syrien und Jordanien herum. Immer wieder kam ich zu Fundorten, wo Lawrence lebte (z.B. Qasr Azrak in Jordanien) oder forschte (z.B. die Kreuzritterburgen Krak, Qala’at Salahaldin in Syrien).

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Das Britische Grabungshaus in Carchemish 2019 (©Monamy)

Lawrence wurde am 16. August 1888 in Wales geboren und interessiert sich sehr früh für Geschichte. Im Sommer 1907 radelt er durch Frankreich um sich die Mittelalter-Burgen (u.a. Carcasson, Aigues-Mortes und Château Gaillard), 1909 reist er nach Syrien und in den Libanon, um die Kreuzritterburgen zu studieren. Seine Ergebnisse publiziert er in seinem bekannten Werk „Seven pillars of Wisdom“ (die Sieben Säulen der Weisheit).  Ab 1910 nimmt er an verschiedenen Grabungen im Nahen Osten (Beirut und Byblos im Libanon und Carchemish halb in der Türkei und Syrien unter der Leitung von Leonard Woolley, Kafr Ammar in Ägypten unter der leitung von Flinders Petrie) teil.  Er assimiliert sich leicht: er lernt nicht nur die Sprache bzw. Dialekte, sondern auch die Gebräuche der Einheimischen. Seine vielen Reisen nach Syrien, sein gemeinsames Leben mit den Arabern, das Tragen ihrer Kleidung, das Kennenlernen ihrer Kultur würden sich später als unschätzbar wertvoll erweisen.

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T. E. Lawrence 1918 (©Wikipedia)

1914 wird Lawrence von der Britischen Armee auf die Sinai Halbinsel geschickt, wo er Aqaba und auch Petra besichtigt. 1916 wurde er nach Kairo berufen, wo er als Leutnant für den britischen Militärgeheimdienst arbeitete. Seine sehr guten Kenntnisse über die Araber machten ihn zu einem idealen Verbindungsmann zwischen den britischen und arabischen Streitkräften. Lawrence Hauptbeitrag zu den britischen Bemühungen bestand darin, die Araber davon zu überzeugen, ihre Bestreben zu koordinieren, um den britischen Interessen zu helfen. Insbesondere überredete er die Araber, ihre Stellungen an der Hedjaz-Küste zu festigen und die Osmanen nicht sofort aus Madinah zu vertreiben, was die Türken zwang, viele Truppen zum Schutz der Stadt zu behalten. Die Araber sprengten die Hedjaz-Eisenbahnlinie (die Medina versorgte) was mehr osmanische Truppen zum Schutz und zur Instandsetzung der Strecke immobilisierte und hinderten den Feind daran, im Sinai und dann in Palästina Verstärkung gegen die Briten zu bekommen. Lawrence trägt eine arabische Tracht, reitet auf einem Kamel, übernimmt viele lokale Bräuche und nähert sich bald Prinz Faisal an. Gegen Ende des Krieges versuchte er erfolglos, seine Vorgesetzten vom Interesse der syrischen Unabhängigkeit für das Vereinigte Königreich zu überzeugen, insbesondere indem er die Araber von religiösen Prinzipien ablenkte, um in eine politische Logik im Stil moderner Staaten zu investieren. Aber das Interesse des Westens bestand darin, den Nahen Osten zu zerstückeln.

In der unmittelbaren Nachkriegszeit arbeitete Lawrence für das Auswärtige Amt und nahm zwischen Jänner und Mai 1919 als Mitglied der Delegation Faisals an der Pariser Friedenskonferenz teil. Danach war er bis Ende 1921 als Berater von Winston Churchill im Kolonialbüro tätig. Er und die Orientalistin Gertrude Bell erlangten für Faisal, der gerade den Thron Syriens verloren hatte, die Krone des Irak. Er musste die Armee am Ende seines Vertrags im März 1935 widerwillig verlassen.

Am 13. Mai 1935 verlor er im Regen auf seinem Motorrad bei hoher Geschwindigkeit die Kontrolle über seine Maschine, als er versuchte, zwei jungen Radfahrern auszuweichen. Er starb am 19. Mai.

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Alte Rezepte

Immer wieder versuche ich alte Rezepte nachzukochen, um sie eventuell in meinem Rezeptrepertoir aufzunehmen. So bringe ich auch abwechslungsreiche Geschmackserlebnisse in die antiken Kochkurse.

Ab Herbst 2020 werden Antike Kochkurse mit Rezepten aus dem Mittelalter angeboten. Deshalb lag diesmal der Schwerpunkt auf Rezepte aus der Zeit zwischen 500 und 1500 n. Chr. in Europa. Für diese Zeit gibt es schon einige Kochbücher in altfranzösischer,  altitalienischer und altdeutschen Sprache wie z.B.  „das Buoch von guoter Spis“ (1345-1352)  oder „Niederdeutsche Kochbuch“ (~1500 ) oder auch „de honesta voluptate er valetudine (1474).

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Mittelalterlicher rote Rüben Salat

 

Wer Lust bekommen hat Rezepte aus dem Mittelalter nachzukochen und neue oder außergewöhnliche Geschmäcker auszuprobieren findet hier demnächst die Termine.

 

 

 

 

 

 

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Archäologie und Bürgerbeteiligung

Archäologie und Bürgerbeteiligung – kann das funktionieren?

Seit einigen Jahren beschäftigte ich mich mit diesem wichtigen Thema. 2019 haben Sigrid Peter und ich einen Round Table während des CHNT Kongresses organisiert. Auch heuer diskutieren wir wie sich Laien und Archäologen ergänzen können. Ich würde mich sehr freuen, wenn neue Ideen oder Meinungen dazukommen.

Der „call for papers“ ist noch bis 31. Juli 2020 offen.  Details zum Round Table befinden sich im CHNT Blog: https://www.chnt.at/chnt-blog/

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Eduard Glaser

Heute vor…

112 Jahren starb Eduard Glaser

Der österreichische Orientalist Eduard Glaser ist kaum bekannt, weder von einem breiten Publikum noch in der wissenschaftlichen Welt. Nur wenigen Orientalisten ist dieser Name ein Begriff.

Eduard Glaser hat auf der arabischen Halbinsel geforscht ist aber keineswegs mit Carsten Niebuhr oder Wilfried Thesinger vergleichbar. Vielleicht liegt es daran, dass sein Leben abseits der Wissenschaft noch rätselhaft ist. Wer war also Eduard Glaser, dessen innigster Wunsch seit Kindheitstagen war ein Wissenschaftler zu werden? Woher kam er? Woher kam seine Faszination für Arabien? Wie hat er sich auf ein Forscherleben vorbereitet? Wie hat er seine Forschungen finanziert? Leider ist es noch heute sehr schwierig Glasers Leben zu rekonstruieren, besonders seine Kindheit und Jugend.

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Eduard Glaser (wikipedia)

Derjenige, der von sich selbst sagte: „Da ich kein Gelehrter bin…“ war ein Einzelgänger und Autodidakt, ein Nicht-Akademiker, der posthum ein Heer von Wissenschaftlern beschäftigt.

Seit ich 2008 ans Institut für Orientalistik an der Universität Wien kam, beschäftige ich mich mit Eduard Glasers Leben. Seine Schriften sind heute noch die Basis vieler Forschungen im Bereich Altsüdarabien (Jemen, südliches Saudi-Arabien und Oman). Ich interessiere mich mehr für das Leben dieses ungewöhnlichen Menschen. Mehr zu Eduard Glasers Leben und seinen Reisen in den Jemen befinden sich auf meiner wissenschaftlichen Seite.

 

Diesmal ein Blogbeitrag, der sich nicht mit antiken Essen beschäftigt. Aber mit einem Teil meiner wissenschaftlichen Arbeit. Viel Spaß beim Lesen!

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Was sind Antike Kochkurse?

Archeomuse bietet seit 2015 eine innovative Alternative Archäologie und Geschichte zu erleben, ganz nach dem Motto: “ Archäologie mit allen Sinnen erleben“.

Durch die entspannte Atmosphäre bei einem Kochkurs, wo gemeinsam alte Gerichte nachgekocht werden, wird das Wissen über Antike Koch-und Essgewohnheiten von der Steinzeit bis ins Mittelalter angenehmer vermittelt.

 

 

Durch die Covid19-Krise, die derzeit die Welt beherrscht, finden keine antiken Kochkurse statt. Hier finden Sie die Termine,  sobald das Leben im öffentlichen  Raum wieder möglich ist.

Bis dahin können Sie Gutscheine kaufen. „Gerade jetzt haben wir nicht die Möglichkeit, alles zu machen, was wir gerne möchten. Friseurtermin, Shoppingtrip & Restaurantbesuch müssen jetzt eben warten. Doch du kannst dir jetzt schon einen Gutschein sichern und ihn später einlösen. Das sorgt nicht nur dafür, dass du die Kleinunternehmen unterstützt, sondern steigert auch die Vorfreude. Und die ist bekanntlich die schönste Freude!“ Sagen die Initiatoren der Plattform www.zusammen-leiwand.at

Genauso unterstützt derzeit die Homepage coronasupportboard.com  kleine Betriebe. Danke für Ihre Unterstützung!

 

 

 

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Mesopotamisches Rezept verfilmt!

Wenn ArcheoTube filmt und Fragen stellt während Archeomuse kocht, kommen Küchengeheimnisse aus dem alten Mesopotamien ans Tageslicht 😉

Schaut euch das 10-min. Video an und sagt mir, wie es euch gefallen hat.

Weitere Videos sind geplant!! Gibt es ein antikes Rezept, das ihr gerne „Schritt für Schritt“ erklärt bekommen möchtet? Nur zu! Sagt es mir und ich versuche es nachzukochen…

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Reise nach Arabien

Heute vor…

113 Jahren begann ein spannendes Abenteuer

„Mission en Arabie“ ist ein noch heute sehr wichtiges Werk in der Arabienforschung. Geschrieben wurde es von zwei Dominikaner Mönche, Antonin Jaussen und Raphael Savignac. Am 1. März 1907 fing ihre Reise in den Norden des heutigen Saudi Arabien an. Das Werk wurde in drei Teilen 1909, 19020 und 1922 zum ersten Mal veröffentlicht. In den 90er Jahren des 20. Jh. wurde es neuverlegt und erst 2017 ins Arabische übersetzt. Das herausragendste an dieser Publikation sind die ersten Fotografien, die in Tayma erstellt wurden.

© Monamy

Antonin Jaussen, geb. Joseph Marie Jaussen am 27. Mai 1877 in Frankreich, war ein Dominikaner Mönch, Ethnologe und Archäologen auf den Nahen Osten spezialisiert. Er kam 1890 nach Jerusalem in die neu gegründete École Biblique de Jérusalmen und entkam somit dem Militärdienst. Diese Einrichtung widmet sich der wissenschaftlichen Erforschung des Heiligen Landes und der biblischen Texte. Ihr Spezialgebiet ist die Erforschung der biblischen Schriften im Vergleich zu den biblischen Örtlichkeiten. Die Forschungseinrichtung wurde 1920 vom französischen Staat anerkannt. Die wohl berühmteste Publikation ist die Jerusalemer Bibel. Diese Bibelübersetzung hat wegen ihrer literarischen Qualität und textkritischen Strenge bis heute international große Beachtung gefunden. Ins deutsche wurde sie erst 1968 übersetzt. Ein weiterer Schwerpunkt der École Biblique de Jérusalem ist das Erlernen orientalischer Sprachen (u.a. Arabisch, Hebräisch, Aramäisch, Sabäisch, usw…). Jaussen unterrichtete ebenfalls an dieser Schule, die er ab 1908 leitete. 1928 geht er nach Kairo, wo er mit dem Dominikaner Mönch M.-D. Boulanger, ein weiteres Forschungsinstitut mit Schwerpunkt Ägyptologie (Institut dominicain d’études orientales) gründet. Während dem Ersten Weltkrieg wird er Geheimdienst-Offizier in den französischen Truppen der Levante. In dieser Funktion lernt er Lawrence von Arabien und Emir Faysal kennen. Er ist jedoch ziemlich kritisch gegenüber der Unabhängigkeitspläne der Araber. Aus gesundheitlichen Gründen kehrt er 1959 nach Frankreich zurück, wo er 1962 mit 91 Jahren stirbt.

Antoine Raphael Savignac wurde 1874 ebenfalls in Frankreich geboren. Er war Archäologe und Fotograf. Er kam 1893 in die École Biblique de Jérusalem, wo er in späteren Jahren unterrichtete. Forschungsreisen mit Jaussen unternahm er sehr früh nach Petra, in die Negev Wüste und nach Palmyra. Savignac war zwischen 1935 und 1940 Direktor der Forschungseinrichtung.

© http://ifpo.hypotheses.org/5261                                                       Links R. Savignac und rechts A. Jaussen

Die Arabienreise hatte als Ziel die Nabatäer Stadt Hegra, das moderne Madain Saleh. Sie fotografieren aber auch die angrenzenden Ortschaften Tayma und al-Ula, die bis dahin nur von Skizzen bekannt waren. Jaussen war auf seinen vielen Reisen in der Levante und in Arabien sehr wichtig nicht zu konvertieren. Er wollte nur die Völker verstehen. Das Werk „Mission en Arabie“ ist die erste bildliche Dokumentation über ein Gebiet, das damals sehr schlecht erkundet und fast unbekannt war. Noch heute, verwenden Archäologen ihre Schriften, um die Forschung im nördlichen Saudi-Arabien voranzutreiben. Dass das Werk erst 2017 ins Arabische übersetzt wurde unterstreicht dies noch mehr.

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Tag der Blockflöte

Für dich ausgegraben….

 

Der internationale Tag der Blockflöte (10. Jänner) wurde 2007 ins Leben gerufen. Mitglieder des Onlineforum „Lizard Lounge“ sollen laut einigen Internetquellen die Initiatoren dieses Fest- und Gedenktages sein. Doch muss darauf gleich verwiesen werden, dass die Quellen sehr ungenau und weder Urheberschaft noch Stellungnahme durch dieses Onlineportal vorhanden sind. Die Blockflöte ist fast jedem Kind durch den Musikunterricht in der Schule bekannt und ein Begriff. Unzählige Generationen sind mit diesem scheinbaren einfachen Holzinstrument aufgewachsen.

Flöte

Medienberichten zufolge soll sich dies in den letzten Jahren aber drastisch geändert haben. War das mit ein Grund einen „Tag der Blockflöte“ auszurufen? Um dieses Musikinstrument wieder modern und attraktiv zu machen? Freuen wir uns einfach, dass dieses Instrument einen  eigenen Gedenktag erhalten hat.

Wusstet ihr, dass eines der ältesten Musikinstrumente, das in Europa bis jetzt gefunden wurde, eine Flöte aus Grubgraben bei Kammern in Niederösterreich (Österreich) ist? Kammern ist eine Marktgemeinde im Bezirk Krems-Land.  Diese Knochenflöte datiert um ca. 19.000 v. Chr. (Paläolithikum oder Altsteinzeit). Heute kann man sie im Naturhistorischen Museum in Wien bewundern.

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Knochenflöten sind sehr einfache kleine Blasinstrumente und somit die ältesten archäologisch nachgewiesenen Musikinstrumente des Menschen. Diese Flöten waren hohle Knochen mit Löchern, bei denen der Ton durch eine Kernspalte generiert werden konnte. Nach und nach entwickelten sich verschiedene Flötenformen mit anderen Materialien wie Metall oder Holz.

Da uns aus der Steinzeit keine schriftlichen Quellen bekannt sind, sind auch die Melodien nicht überliefert. Die Erforschung archäologischer Musik beschäftigt seit einigen Jahren viele Kollegen. Sie versuchen durch experimentelle Archäologie alte Handgriffe (für die Jagd oder im Alltag) nachzuahmen. Auch die Rekonstruktion archäologischer Musik zeigt, dass mit diesen einfachen Instrumenten bedeutende und abwechslungsreiche Musik gespielt werden kann.

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Neujahrsfest

Für dich ausgegraben… das Neujahrsfest

Viele Menschen auf der ganzen Welt feiern am 1. Jänner das neue Jahr. Der Kalender ändert sich, wir schreiben ein neues Jahresdatum und hoffen auf ein besseres kommendes Jahr. Viele feiern und wissen nicht mehr so recht was eigentlich gefeiert wird. Dieses Fest ist nicht neu. Das neue Jahr wurde schon in vielen vergangenen Epochen und Zivilisationen gefeiert. Nur nicht immer am 1. Jänner. Tatsächlich feierten schon unsere Vorfahren egal wo auf der Erde den Beginn eines neuen Jahres.

Im alten Ägypten fing das neue Jahr mit dem Beginn der Überflutung des Nils an, das meistens auch vom Aufstieg des Sterns Sirius begleitet wurde. Für die Phönizier, sowie den Perser, galt der 1. Tag des Jahres der Tag der Frühlings-Tagundnachtgleiche. Die Griechen wiederum feierten das neue Jahr an der Wintersonnenwende.

Die ältesten Schriftzeugnisse über ein Neujahrsfest stammen aus Babylonien. Für die Babylonier wurde am ersten Neumond nach der Frühlings-Tagundnachtgleiche die Wiedergeburt der natürlichen Welt gefeiert. Laut unserem gregorianischen Kalender würde dieser Tag Ende März fallen. Dieses Fest hieß „Akitu“ und dauerte 11 Tage, an denen jeweils ein anderes Ritual vollzogen wurde. Akitu ist ein Sumerisches Wort für „Gerstenaussaat“. Durch schriftliche Quellen wissen wir, dass Götterstatuen durch die Straßen der Stadt Ur getragen und spezifische Reinigungsrituale durchgeführt wurden. Die Babylonier glaubten, dass die Welt symbolisch von den Göttern gereinigt wurde und bereiteten sich auf das neue Jahr und die Rückkehr des Frühlings vor. Neben dem religiösen Hintergedanke, diente  das Fest auch einem wichtigen politischen Zweck: während dem Akitu-Fest wurde der neue König gekrönt oder das göttliche Mandat des herrschenden Königs erneuert. Die Feierlichkeiten zum Akitu-Fest überdauerten Jahrhunderte und wurden sogar über die Grenzen Babylons hinaus mitgenommen. Der mesopotamische Kalender war in 12 Monate zu je 30 tagen eingeteilt. Der Tag begann am Abend bei Sonnenuntergang. Es gab nur zwei Jahreszeiten: Sommer und Winter.

Das römische Neujahrsfest entsprach ursprünglich auch der Frühlings-Tagundnachtgleiche.  Der Tradition nach wurde der Kalender von Romulus im 8. Jh. v. Chr. geschaffen. Es gab 10 Monate zu 30 Tagen. Der erste Monat war März,  da die Feldarbeit und die Kriege nach der Winterpause wieder aufgenommen wurden. Im Laufe der Zeit wurde der Kalender jedoch nicht mehr mit der Sonne synchronisiert, und 46 v. Chr. beschloss Kaiser Julius Cäsar, das Problem zu lösen: Nach Rücksprache mit den bedeutendsten Astronomen und Mathematikern seiner Zeit führte er den julianischen Kalender ein. Dieser basiert auf die Sonne und wird heute noch verwendet. Weiteres gehörte zur Reform die Einführung des 1. Jänner als ersten Tag des Jahres, zu Ehren des Namensgebers des Monats „Janus“. Janus, der Gott der Veränderung und des Neubeginns, konnte durch seine zwei Gesichter in die Vergangenheit und in die Zukunft blicken. Der Begriff Kalender kommt vom lateinischen kalendae, Name des ersten Tages im Monat.

Im mittelalterlichen Europa wurden die Feierlichkeiten um den 1. Jänner jedoch als heidnisch angesehen und dementsprechend unchristlich. Sie wurden auf einem Tag mit religiöser Bedeutung, dem 25. Dezember oder dem 25. März (Fest der Verkündung) verschoben. Bis ins 17. Jh. n. Chr. galt in vielen europäischen Ländern auch der 6. Januar als Jahresbeginn.

Während der französischen Revolution wurde ein neuer Kalender eingeführt. Verwendet wurde er erst zwischen 1792 und 1806. Nach der Erstürmung der Bastille (Gefängnis in Paris) 1789 wurde der französische Revolutionskalender in Jahre der Freiheit, Gleichheit und Republik eingeteilt. Napoleon führte den gregorianischen Kalender wieder ein. Im Privatleben hatte er sich kaum durchgesetzt. Alle offiziellen Dokumente wurden dennoch nach diesem Kalender datiert. Warum wurde ein neuer Kalender eingeführt? Die Revolution trennte Staat und Kirche und der neue Kalender sollte ebenfalls keinen christlichen Bezug mehr haben. Die Woche wurde nach dem Dezimalsystem in 10 Tagen eingeteilt. Eine freien Tag gab es erst am 10. Tag! Es gab einen Tag zu 10 Stunden. 1h hatte 100 Minuten und 1 Minute wurde in 100 Sekunden unterteilt. Neue Uhren herzustellen hätte aber nur mit hohen Kosten verbunden werden können und so trat diese Zeiteinteilung nie in Kraft.

 

Das „Akitu“-Fest wird als Frühlingsfest von einigen religiösen Minderheiten und ethnischen Gruppen im Nahen Osten (Assyrer, Aramäer, usw…) noch heute gefeiert. Es findet am 21. März statt und wird hauptsächlich als kulturelles und politisches Fest angesehen.

 

Prosit Neujahr!  Die besten Wünsche für 2020.

 

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