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Tag der Blockflöte

Für dich ausgegraben….

 

Der internationale Tag der Blockflöte (10. Jänner) wurde 2007 ins Leben gerufen. Mitglieder des Onlineforum „Lizard Lounge“ sollen laut einigen Internetquellen die Initiatoren dieses Fest- und Gedenktages sein. Doch muss darauf gleich verwiesen werden, dass die Quellen sehr ungenau und weder Urheberschaft noch Stellungnahme durch dieses Onlineportal vorhanden sind. Die Blockflöte ist fast jedem Kind durch den Musikunterricht in der Schule bekannt und ein Begriff. Unzählige Generationen sind mit diesem scheinbaren einfachen Holzinstrument aufgewachsen.

Flöte

Medienberichten zufolge soll sich dies in den letzten Jahren aber drastisch geändert haben. War das mit ein Grund einen „Tag der Blockflöte“ auszurufen? Um dieses Musikinstrument wieder modern und attraktiv zu machen? Freuen wir uns einfach, dass dieses Instrument einen  eigenen Gedenktag erhalten hat.

Wusstet ihr, dass eines der ältesten Musikinstrumente, das in Europa bis jetzt gefunden wurde, eine Flöte aus Grubgraben bei Kammern in Niederösterreich (Österreich) ist? Kammern ist eine Marktgemeinde im Bezirk Krems-Land.  Diese Knochenflöte datiert um ca. 19.000 v. Chr. (Paläolithikum oder Altsteinzeit). Heute kann man sie im Naturhistorischen Museum in Wien bewundern.

FlöteKrems

Knochenflöten sind sehr einfache kleine Blasinstrumente und somit die ältesten archäologisch nachgewiesenen Musikinstrumente des Menschen. Diese Flöten waren hohle Knochen mit Löchern, bei denen der Ton durch eine Kernspalte generiert werden konnte. Nach und nach entwickelten sich verschiedene Flötenformen mit anderen Materialien wie Metall oder Holz.

Da uns aus der Steinzeit keine schriftlichen Quellen bekannt sind, sind auch die Melodien nicht überliefert. Die Erforschung archäologischer Musik beschäftigt seit einigen Jahren viele Kollegen. Sie versuchen durch experimentelle Archäologie alte Handgriffe (für die Jagd oder im Alltag) nachzuahmen. Auch die Rekonstruktion archäologischer Musik zeigt, dass mit diesen einfachen Instrumenten bedeutende und abwechslungsreiche Musik gespielt werden kann.

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Neujahrsfest

Für dich ausgegraben… das Neujahrsfest

Viele Menschen auf der ganzen Welt feiern am 1. Jänner das neue Jahr. Der Kalender ändert sich, wir schreiben ein neues Jahresdatum und hoffen auf ein besseres kommendes Jahr. Viele feiern und wissen nicht mehr so recht was eigentlich gefeiert wird. Dieses Fest ist nicht neu. Das neue Jahr wurde schon in vielen vergangenen Epochen und Zivilisationen gefeiert. Nur nicht immer am 1. Jänner. Tatsächlich feierten schon unsere Vorfahren egal wo auf der Erde den Beginn eines neuen Jahres.

Im alten Ägypten fing das neue Jahr mit dem Beginn der Überflutung des Nils an, das meistens auch vom Aufstieg des Sterns Sirius begleitet wurde. Für die Phönizier, sowie den Perser, galt der 1. Tag des Jahres der Tag der Frühlings-Tagundnachtgleiche. Die Griechen wiederum feierten das neue Jahr an der Wintersonnenwende.

Die ältesten Schriftzeugnisse über ein Neujahrsfest stammen aus Babylonien. Für die Babylonier wurde am ersten Neumond nach der Frühlings-Tagundnachtgleiche die Wiedergeburt der natürlichen Welt gefeiert. Laut unserem gregorianischen Kalender würde dieser Tag Ende März fallen. Dieses Fest hieß „Akitu“ und dauerte 11 Tage, an denen jeweils ein anderes Ritual vollzogen wurde. Akitu ist ein Sumerisches Wort für „Gerstenaussaat“. Durch schriftliche Quellen wissen wir, dass Götterstatuen durch die Straßen der Stadt Ur getragen und spezifische Reinigungsrituale durchgeführt wurden. Die Babylonier glaubten, dass die Welt symbolisch von den Göttern gereinigt wurde und bereiteten sich auf das neue Jahr und die Rückkehr des Frühlings vor. Neben dem religiösen Hintergedanke, diente  das Fest auch einem wichtigen politischen Zweck: während dem Akitu-Fest wurde der neue König gekrönt oder das göttliche Mandat des herrschenden Königs erneuert. Die Feierlichkeiten zum Akitu-Fest überdauerten Jahrhunderte und wurden sogar über die Grenzen Babylons hinaus mitgenommen. Der mesopotamische Kalender war in 12 Monate zu je 30 tagen eingeteilt. Der Tag begann am Abend bei Sonnenuntergang. Es gab nur zwei Jahreszeiten: Sommer und Winter.

Das römische Neujahrsfest entsprach ursprünglich auch der Frühlings-Tagundnachtgleiche.  Der Tradition nach wurde der Kalender von Romulus im 8. Jh. v. Chr. geschaffen. Es gab 10 Monate zu 30 Tagen. Der erste Monat war März,  da die Feldarbeit und die Kriege nach der Winterpause wieder aufgenommen wurden. Im Laufe der Zeit wurde der Kalender jedoch nicht mehr mit der Sonne synchronisiert, und 46 v. Chr. beschloss Kaiser Julius Cäsar, das Problem zu lösen: Nach Rücksprache mit den bedeutendsten Astronomen und Mathematikern seiner Zeit führte er den julianischen Kalender ein. Dieser basiert auf die Sonne und wird heute noch verwendet. Weiteres gehörte zur Reform die Einführung des 1. Jänner als ersten Tag des Jahres, zu Ehren des Namensgebers des Monats „Janus“. Janus, der Gott der Veränderung und des Neubeginns, konnte durch seine zwei Gesichter in die Vergangenheit und in die Zukunft blicken. Der Begriff Kalender kommt vom lateinischen kalendae, Name des ersten Tages im Monat.

Im mittelalterlichen Europa wurden die Feierlichkeiten um den 1. Jänner jedoch als heidnisch angesehen und dementsprechend unchristlich. Sie wurden auf einem Tag mit religiöser Bedeutung, dem 25. Dezember oder dem 25. März (Fest der Verkündung) verschoben. Bis ins 17. Jh. n. Chr. galt in vielen europäischen Ländern auch der 6. Januar als Jahresbeginn.

Während der französischen Revolution wurde ein neuer Kalender eingeführt. Verwendet wurde er erst zwischen 1792 und 1806. Nach der Erstürmung der Bastille (Gefängnis in Paris) 1789 wurde der französische Revolutionskalender in Jahre der Freiheit, Gleichheit und Republik eingeteilt. Napoleon führte den gregorianischen Kalender wieder ein. Im Privatleben hatte er sich kaum durchgesetzt. Alle offiziellen Dokumente wurden dennoch nach diesem Kalender datiert. Warum wurde ein neuer Kalender eingeführt? Die Revolution trennte Staat und Kirche und der neue Kalender sollte ebenfalls keinen christlichen Bezug mehr haben. Die Woche wurde nach dem Dezimalsystem in 10 Tagen eingeteilt. Eine freien Tag gab es erst am 10. Tag! Es gab einen Tag zu 10 Stunden. 1h hatte 100 Minuten und 1 Minute wurde in 100 Sekunden unterteilt. Neue Uhren herzustellen hätte aber nur mit hohen Kosten verbunden werden können und so trat diese Zeiteinteilung nie in Kraft.

Das „Akitu“-Fest wird als Frühlingsfest von einigen religiösen Minderheiten und ethnischen Gruppen im Nahen Osten (Assyrer, Aramäer, usw…) noch heute gefeiert. Es findet am 21. März statt und wird hauptsächlich als kulturelles und politisches Fest angesehen.

Prosit Neujahr!  Die besten Wünsche für 2021.

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Z wie …

Zoologie

Die Archäozoologie beschäftigt sich mit der Studie („logos“) der alten („archaeos“) Tierknochen („zoon“), die bei Grabungen gefunden wurden. Unter Tierknochen verstehen wir alle Körperteile eines Tieres, also auch Zähne, Hörner und Knochen. Die Archäozoologie behandelt alle Tiere: Wirbel- und wirbellose Tiere, Insekten, Parasiten, Mollusken, Fische usw. Dank der Untersuchungen auf den Knochen können Informationen wie Tierarten und Verarbeitungsmethoden erforscht werden. Tierknochen werden vermehrt in und um Siedlungen gefunden, da sie als Speisenreste liegen gelassen wurden. In einem kultischen Rahmen können die Tierknochen auf Opfer oder Kultmahlzeiten gedeutet werden.

Lange wurden die Tierknochen in der Forschung nicht beachtet, bsd. in der klassischen Archäologie (= Griechen und Römer), die sich hauptsächlich mit Kunst beschäftigte. Mittlerweile wissen wir, dass die Studie der Knochen ein wichtiger Bestandteil der Archäologie geworden ist. Die Archäozoologie ist nicht mit der Paläontologie gleichzustellen, da letzteres nur fossilisierte Knochen bearbeitet.

Die Knochen werden gezählt, nach Tierart sortiert und dann qualitativ sortiert. Hier können bis zu komplette Skelette wieder zusammengesetzt werden. All diese Informationen können für die Domestikation aufschlussreich sein aber auch indirekt Auskunft über die Umwelt geben: welche Pflanzen wuchsen in der Umgebung und wie war das Klima in dieser Zeit.

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Tierknochen  © Monamy

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W wie …

 

Willendorf

Willendorf in der Wachau ist eine kleines Dorf in Niederösterreich im Bezirk Krems. Weltberühmt wurde das Dorf mit 154 Einwohnern (stand 01.01.2019) als 1908 eine 11 cm große Figurine bei Ausgrabungen entdeckt wurde. Die Venus von Willendorf! Sie ist nun im Naturhistorischem Museum in Wien zu sehen. Sie gilt als eine der schönsten Venus-Beispiele. Sie ist aus Kalkstein (Oolith aus der Nähe von Brünn) und war ursprünglich mit roter Farbe bedeckt. Die alten Methoden auf einer Grabung beinhalteten das Waschen der Funde mit Wasser. Bei dieser Methode gehen eventuelle Farben oder Farbspuren verloren. Außerdem wurden früher die Funde mit Schellak (Insektenharz) überzogen. Dies stört bei weiteren chemischen Analysen. Interessant ist, dass die Figurine symmetrisch ist, aber kein Gesicht und keine Füße hat. Die dünnen Arme liegen auf dicken Brüsten und die Oberschenkel sind sehr naturnah eingeritzt. 

 

In Europa (von Frankreich bis Russland) wurden viele Frauenfiguren gefunden. Sie sind entweder aus Stein, Elfenbein oder auch aus Ton. Sie stammen alle aus der Steinzeit und genauer aus der letzten Eiszeit (ca. 20.000 v. Chr. bzw. Paläolithikum). Ihre Funktion ist noch nicht eindeutig geklärt. Dennoch gehen wir derzeit davon aus, dass sie als Fruchtbarkeitssymbol oder Muttergöttinnen zu deuten sind. Die meisten datieren in die Zeit zwischen 28.000 und 12.000 v. Chr.. Die sind auf keinen Fall Gebrauchsgegenstände wie ihre männlichen Pendants. Diese Figurinen werden wegen ihrer Nacktheit und nicht in Anlehnung an die römische Göttin „Venus“ genannt. Mittlerweile werden alle Frauenstatuen „Venus“ genannt, auch wenn sie bekleidet sind oder nur Köpfe dargestellt wurden. 

Venus

Venus von Willendorf – Monamy 2018

gehäkelte Venus 🙂 Monamy 2020

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V wie …

Vermittlung

Unter Vermittlung verstehe ich jede Art Wissen zu vermitteln und dennoch auf einem wissenschaftlichen Niveau zu bleiben. Die Kunst besteht darin das fachliche Wissen der jeweiligen Zielgruppe anzupassen. Die Sprache und die Themen, die bei der Vermittlung verwendet wird, sollte ans Alter und dem Wissensstand der Zielgruppe so angepasst werden, dass der Inhalt gleich bleibt aber verständlicher vermittelt werden kann.

Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten sein Wissen zu vermitteln: Vorträge, science slam , Rätselrallyes, Ausstellungen in Museen, Themenführungen durch Ausstellungen oder direkt auf einem Fundort und antike Kochkurse um nur einige zu nennen. Grössere Museen greifen öfters zu dieser Art Wissensvermittlung zurück, wie z.B. Carnuntum und seine Gladiatorenspiele. Hierfür werden reenactment Gruppen gebucht. Oder auch Kinderworkshops werden angeboten, um den Kleinsten auf spielerische Art Wissen weiterzugeben.

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Science Slam 2017 im Wiener Metropol

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U wie …

Unterwasser Archäologie

Die Unterwasserarchäologie beschäftigt sich mit allen archäologischen Funden und Befunden, die unter Wasser gefunden werden. Unterwasser bedeutet auf dem Grund von Meeren, Seen und Flüssen, Brunnen und  Höhlen. Alles was unter Wasser gefunden wird (antike Schiffswracks und Ruinen) sind durch die UNESCO „Konvention zum Schutz des Kulturerbes unter Wasser“ geschützt.

Um unterwasser arbeiten  und Forschungen betreiben zu können, gibt es zwei Methoden: Einerseits werden Archäologen zu Tauchern ausgebildet, die nicht nur unterwasser schwimmen sondern auch arbeiten können; und andererseits kann es sein, dass ein abgegrenztes Gebiet trockengelegt werden muss, um es besser und sinnvoller auszugraben und zu bergen. So wurde z.B. der bekannte Hafen von Haithabu trocken gelegt, um ein Handelsschiff zu bergen.

Außer im Falle von Plünderungen liefert ein sinkendes Schiff eine intakte Ladung. Keine andere Dokumentationsquelle kann ein so genaues Bild der Handelsströme aus der Antike oder neueren Perioden vermitteln.

 

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T wie …

T-Rex

T-Rex, der wohl bekannteste Dinosaurier, steht hier für alle Dinosaurier! Heute ein eher kurzer Beitrag, da wir Archäologen einfach keine Dinos ausgraben! Ich wollte es einfach mal los werden!!!!

Es gibt ein weit verbreitetes Missverständnis, dass Archäologen Dinosaurier ausgraben – das machen wir nicht! Wir überlassen das den Paläontologen. Die Archäologie ist die Erforschung der menschlichen Vergangenheit (siehe dazu meinen Beitrag A wie Archäologie), und es besteht eine ungefähre Lücke von 64 Millionen Jahren zwischen dem Aussterben der Dinosaurier und der menschlichen Evolution.

Wer es auf eine musikalische Art erklärt bekommen möchte, der möge sich bitte folgen Song anhören: We don’t do dinosaurs

NoDinos

gefunden auf Pinterest

 

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S wie …

Saturnalia oder Saturnalien

Ursprünglich war es ein Fest der Bauern am 17. Dezember im römischen Reich, ein Fest um die Wintersonnwende. Es stand in Verbindung mit dem Ende der Winteraussaat und wurde zu Ehren vom Gott Saturn (Gott der Aussaat oder des Ackerbaus) gefeiert.  Der Gott Saturn wird oft mit einer Sichel und / oder Getreide abgebildet. Der Ackerbau wird als Grundlage der Zivilisation angesehen: „saturare“ bedeutet „sättigen“ auf Deutsch. Mit der Zeit wurde es zu einem Fest mit Opfer und grosses Gelage. Erst ab 45 v. Chr. wurde es ein mehrtägigen Fest vom 17. bis 23. Dezember.

An diesem Tag bzw. in dieser Woche waren alle öffentlichen Gebäude bzw. Einrichtungen geschlossen: es wurde keine Rechtsprechung durchgeführt und es wurde nicht gearbeitet.  Zuerst gab es ein Opfer vor dem Tempel von Saturn, einer der ältesten Tempel auf demForum Romanun in Rom und anschließend öffentliche Speisungen.

Bei privaten Feiern trugen die Männer keine Toga sondern bequeme Tuniken und pillei – eine Kopfbedeckung, die normalerweise nur freigelassen Skalven trugen. Die Grenzen zwischen Sklaven und Herren wurden aufgehoben und sie tauschten die Rollen! Die Sklaven wurden durch die Herren bedient. Der Philosoph Seneca nannte es die „verkehrte Welt“! Im Gegensatz zum restlichen Jahr wurde das Würfelspiel geduldet. Zum Saturnalia-Fest beschenkten sich auch die Menschen. Während des Festes wurden (Spot-) Gedichte oder Rätsel aufgesagt. Des weiteren wurde ein saturnalicus princeps (Fürst) oder rex bibendi (Trinkkönig) gewählt, der entscheiden durfte wann oder wie oft getrunken werden musste bzw. durfte!

Viele antike Autoren haben über dieses Ereignis berichtet. Einer davon ist der Grieche Lukian (2. Jh. n. Chr.), der die Saturnalien beschrieben hat (Vol. IV Saturnalia, Cronosolon und Briefe zu Saturnalia).  Hier nur ein kurzer Auszug: „Alle Geschäfte, seien sie öffentlich oder privat, sind an den Festtagen verboten, außer solchen, die dem Sport, dem Trost und der Freude dienen. Keiner soll seinen Neigungen nachgehen, außer Köchen und Bäckern.“

Heutzutage erkennen wir einige Bestandteile der Saturnalien in mehreren modernen Feiertagen bzw. Festen:

– das Beschenken zu Weihnachten, zum Nikolaus oder zu den Heiligen Drei Könige

– das „verkleiden“ zu Fasching: wir schlüpfen in die Rolle einer anderen Berufsgruppe 

– das Auserwählen eines „Königs“ zu den Heiligen Drei Könige in Frankreich und Teile Deutschlands

Für den Althistoriker Theodor Kissel ist Saturnalia eine Mischung aus Gottesdienst und Karneval.

Saturn-Tempel am Forum Romanum in Rom – Wikipedia

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R wie …

Reenactment

Unter dem englischen Begriff Reenactment versteht man eine neue Inszenierung historischer Ereignisse. Diese Inszenierung oder Nachstellung sollte so authentisch wie möglich sein, also mit der passenden Kulisse, Bekleidung, Musik, Ausstattung usw… Üblicherweise werden konkrete Ereignisse aus der näheren Vergangenheit bis ins Mittelalter nachgespielt,  vereinzelt werden aber auch Episoden aus der Antike wieder zum Leben erweckt. Wichtig ist, dass Reenactment immer zeit- und ortsgebunden ist.

Der wissenschaftliche Ansatz spielt beim Reenactment eine zentrale Rolle: es geht hier wirklich darum eine Situation oder ein Ereignis aus der Vergangenheit so authentisch wie möglich durchzuspielen. Meistens sind es militärische Schlachten, die den Weg in die Öffentlichkeit finden, wie z.B die Schlacht gegen Napoleon bei Aspern.

Durchgeführt werden diese Reenactment durch Vereine, die sich zur Aufgabe gemacht haben die Geschichte wiedererlebbar zu machen. Sie werden teilweise auch für Dokumentarfilme oder von Museen gebucht,  um vor Publikum zu spielen.

Reenactment und experimentelle Archäologie (Link!) werden immer wieder zusammengebracht, da beide eine Platform für den Austausch von Erfahrungen und Experimente bieten. Im Gegensatz dazu gibt es auch noch die LARP (live Action role playing). Hier steht der Spaßfaktor im Vordergrund, die historische Authentizität allerdings nicht. Auch wenn die meisten Spiele auf historische Zeiten zurückgreifen,  werden sie mit viel Fantasy vermischt. Es handelt sich hier um Rollenspiele, wo jeder seine Figur zu einem größeren Thema selbst ausdenken kann.

Das älteste Reenactment führt ins Römische Reich zurück! Denn Schlachten wurden in Rom für die Bürger im Kolosseum nachgespielt, damit sie verstehen und mitbekommen, was in entfernten Provinzen gerade passiert. Auch im Mittelalter waren die Passionsspiele beliebt.

Reenactments werden nicht von allen Archäologen und Historiker gerne gesehen, da viele es als Spaß und unseriös ansehen. Dennoch hilft es einem breiten Publikum das Interesse und Verständnis für Geschichte und Ereignisse in der Vergangenheit erlebbar zu machen.

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Château de Montby (Frankreich) © Monamy

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Ode an die Freude am Essen – Beethovens Leibspeisen

Heute vor…

250 Jahre wurde Ludwig van Beethoven geboren. Im „Beethoven-Jahr“ 2020 kann ich es mir nicht nehmen lassen auch einen Beitrag zu seinen Essgewohnheiten zu leisten!

Wissen wir eigentlich was Ludwig van Beethoven gerne aß? Konnte er kochen? 

Über Beethoven (17.12.1770 – 26.03.1827) ist viel geschrieben worden. Unser Glück heute, denn so können wir uns ein relativ gutes Bild seines Lebens und seines Alltags machen. Er selbst schrieb vieles akribisch nieder und kontrollierte peinlichst genau was seine Speisekammer beinhaltete. Einige Blätter seiner Haushaltsbücher sind uns erhalten. Neben Briefen und Blättern dieser Haushaltsbücher sind die Konversationshefte wichtige Informationsquellen. Freunde und Bekannte äußerten sich auch immer wieder über seine (Tisch-) Manieren. 

Ofen im Haus der Musik

Beethoven war ein alleinstehender Mann mit empfindlichem Magen.  Das war einer der Gründe warum er genau auf seine Nahrung und die Qualität seiner Speisen achtete. Wie viele andere Musiker auch wird er wahrscheinlich bei Schülern, Freunden und Bekannten zum Essen eingeladen worden sein. 1805 besetzten Napoleons Truppen Wien.  Die Lebensmittelversorgung wurde schwieriger und die Qualität der Wirtshäuser schlechter. Dementsprechend stellte Beethoven, der nicht gut kochen konnte, eine Haushälterin ein (Brief von Beethoven an seinem Freund Nikolaus Zmeskall – November 1809). Lob gab es für die Haushälterin selten! 

Dass er nicht gut kochen konnte wurde von seinem Bekannten Ignaz von Seyfried 1803 schriftlich festgehalten. Dieser schildert ein Erlebnis als Beethoven einmal selbst für seine Gäste den Kochlöffel geschwungen hatte. Womöglich um sich (?) und allen zu beweisen, dass es nicht so schwer sein kann zu kochen.

Auszug aus einem Brief. In: Die gute Kocherey. Aus Beethovens Speiseplänen“ S.5.

Er war ein Künstler. Sein Fokus lag auf der Musik. Heutzutage würden wir sagen, er wäre ein Messi! Auf und unter den zwei oder drei Klavieren und in der gesamten Wohnung lagen zwischen Notenblättern und Kleidung Teller mit Essensresten, leere Flaschen und Bücher.

Eines seiner Leibgerichte war Fisch. Das war in dieser Zeit eher ungewohnt und deshalb teuer. Da er sich Fisch nicht leisten wollte um alleine davon zu essen, lud er immer wieder Freunde und Bekannte zum Essen ein. Man darf aber nicht vergessen, dass er einer Gesellschaftsschichte angehörte, die 4 bis 5 Speisen bzw. Gänge aß. In wohlhabenden bürgerlichen Familien bot man Gästen zwischen 5 und 6 Gänge. Freunde und Gäste schrieben ihm, dass 4 oder 5 “Schüsseln” (= Gänge) zu viel wären. Aber jeder, der schon einmal alleine gewohnt hat weiß, dass alleine zu essen keine Freude bereitet. Beethoven aß wenig wenn er alleine war und abends besonders wenig. Essen ist auch etwas Gesellschaftliches und da sind mehrere Gänge ganz normal. 

Wild stand ebenfalls auf Beethovens Speiseplänen. Seine Haushälterinnen wurden nach den Kochkriterien ausgesucht, ob sie Wild und Fisch zubereiten konnten!

Sonst aß Beethoven sehr gerne „mac n‘ cheese“ (Makkaroni mit Käse)!  Wobei er unter Makkaroni nicht die Nudeln mit Loch meinte, sondern das, was wir heute als Spaghetti kennen. Der Käse war meistens Parmesan…

Um diesen Blogeintrag zu schreiben, habe ich mich zum größten Teil an einen Besuch im Haus der Musik (www.hausdermusik.com) erinnert und dem sehr interessanten Buch „Die gute Kocherey. Aus Beethovens Speiseplänen“ bezogen. Das Kunstmuseum Bonn hat ebenfalls über dieses Thema geschrieben. Des weiteren hat der ORF III einige Sendungen im November 2020 zu Beethoven gebracht.

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