Beiträge mit dem Schlagwort: Ausgrabung

Reise nach Arabien

Heute vor…

113 Jahren begann ein spannendes Abenteuer

„Mission en Arabie“ ist ein noch heute sehr wichtiges Werk in der Arabienforschung. Geschrieben wurde es von zwei Dominikaner Mönche, Antonin Jaussen und Raphael Savignac. Am 1. März 1907 fing ihre Reise in den Norden des heutigen Saudi Arabien an. Das Werk wurde in drei Teilen 1909, 19020 und 1922 zum ersten Mal veröffentlicht. In den 90er Jahren des 20. Jh. wurde es neuverlegt und erst 2017 ins Arabische übersetzt. Das herausragendste an dieser Publikation sind die ersten Fotografien, die in Tayma erstellt wurden.

© Monamy

Antonin Jaussen, geb. Joseph Marie Jaussen am 27. Mai 1877 in Frankreich, war ein Dominikaner Mönch, Ethnologe und Archäologen auf den Nahen Osten spezialisiert. Er kam 1890 nach Jerusalem in die neu gegründete École Biblique de Jérusalmen und entkam somit dem Militärdienst. Diese Einrichtung widmet sich der wissenschaftlichen Erforschung des Heiligen Landes und der biblischen Texte. Ihr Spezialgebiet ist die Erforschung der biblischen Schriften im Vergleich zu den biblischen Örtlichkeiten. Die Forschungseinrichtung wurde 1920 vom französischen Staat anerkannt. Die wohl berühmteste Publikation ist die Jerusalemer Bibel. Diese Bibelübersetzung hat wegen ihrer literarischen Qualität und textkritischen Strenge bis heute international große Beachtung gefunden. Ins deutsche wurde sie erst 1968 übersetzt. Ein weiterer Schwerpunkt der École Biblique de Jérusalem ist das Erlernen orientalischer Sprachen (u.a. Arabisch, Hebräisch, Aramäisch, Sabäisch, usw…). Jaussen unterrichtete ebenfalls an dieser Schule, die er ab 1908 leitete. 1928 geht er nach Kairo, wo er mit dem Dominikaner Mönch M.-D. Boulanger, ein weiteres Forschungsinstitut mit Schwerpunkt Ägyptologie (Institut dominicain d’études orientales) gründet. Während dem Ersten Weltkrieg wird er Geheimdienst-Offizier in den französischen Truppen der Levante. In dieser Funktion lernt er Lawrence von Arabien und Emir Faysal kennen. Er ist jedoch ziemlich kritisch gegenüber der Unabhängigkeitspläne der Araber. Aus gesundheitlichen Gründen kehrt er 1959 nach Frankreich zurück, wo er 1962 mit 91 Jahren stirbt.

Antoine Raphael Savignac wurde 1874 ebenfalls in Frankreich geboren. Er war Archäologe und Fotograf. Er kam 1893 in die École Biblique de Jérusalem, wo er in späteren Jahren unterrichtete. Forschungsreisen mit Jaussen unternahm er sehr früh nach Petra, in die Negev Wüste und nach Palmyra. Savignac war zwischen 1935 und 1940 Direktor der Forschungseinrichtung.

© http://ifpo.hypotheses.org/5261                                                       Links R. Savignac und rechts A. Jaussen

Die Arabienreise hatte als Ziel die Nabatäer Stadt Hegra, das moderne Madain Saleh. Sie fotografieren aber auch die angrenzenden Ortschaften Tayma und al-Ula, die bis dahin nur von Skizzen bekannt waren. Jaussen war auf seinen vielen Reisen in der Levante und in Arabien sehr wichtig nicht zu konvertieren. Er wollte nur die Völker verstehen. Das Werk „Mission en Arabie“ ist die erste bildliche Dokumentation über ein Gebiet, das damals sehr schlecht erkundet und fast unbekannt war. Noch heute, verwenden Archäologen ihre Schriften, um die Forschung im nördlichen Saudi-Arabien voranzutreiben. Dass das Werk erst 2017 ins Arabische übersetzt wurde unterstreicht dies noch mehr.

Kategorien: Heute vor... | Schlagwörter: , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

U wie …

Unterwasser Archäologie

Die Unterwasserarchäologie beschäftigt sich mit allen archäologischen Funden und Befunden, die unter Wasser gefunden werden. Unterwasser bedeutet auf dem Grund von Meeren, Seen und Flüssen, Brunnen und  Höhlen. Alles was unter Wasser gefunden wird (antike Schiffswracks und Ruinen) sind durch die UNESCO „Konvention zum Schutz des Kulturerbes unter Wasser“ geschützt.

Um unterwasser arbeiten  und Forschungen betreiben zu können, gibt es zwei Methoden: Einerseits werden Archäologen zu Tauchern ausgebildet, die nicht nur unterwasser schwimmen sondern auch arbeiten können; und andererseits kann es sein, dass ein abgegrenztes Gebiet trockengelegt werden muss, um es besser und sinnvoller auszugraben und zu bergen. So wurde z.B. der bekannte Hafen von Haithabu trocken gelegt, um ein Handelsschiff zu bergen.

Außer im Falle von Plünderungen liefert ein sinkendes Schiff eine intakte Ladung. Keine andere Dokumentationsquelle kann ein so genaues Bild der Handelsströme aus der Antike oder neueren Perioden vermitteln.

 

Kategorien: Adventskalender | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

S wie …

Scherben

Eine Scherbe ist ein Bruchstück eines Tongefässes. Eigentlich bezeichnet das Wort Scherbe nur den Bruch eines Keramikgegenstandes. Also ein Gefäß aus Ton oder Porzellan. Manchmal wird auch gebrochenes Glas als Scherbe angesehen. Scherben werden in Unmengen bei Ausgrabungen gefunden.

Scherbentrocknen

Nach dem Waschen trocknen die Scherben in der Sonne (Sirkeli, Türkei) © Monamy

Der prähistorische Mensch hat seit dem Paläolithikum Terrakotta-Objekte für einen nicht-nutzbringenden Zweck geformt (Tierstatuetten wie Bären, Löwen, Nashörner, Pferde und Frauen, die als Venus bezeichnet werden), aber die Jägern und Sammlern in Asien begannen bereits damals, Keramik für das Kochen von Lebensmitteln zu formen, zehn Jahrtausende bevor die Landwirtschaft entstand, die traditionell mit der Neolithischen Revolution und der Notwendigkeit der Lagerung verbunden war.

Aufgrund ihrer Fülle und guten Erhaltung sind Scherben unverzichtbare Funde für die Datierung der archäologischen Befunde bzw. Schichten, von denen sie stammen. Sie sind auch Zeugen vieler menschlicher Aktivitäten, die wir parallel zu anderen Untersuchungsmethoden verstehen können.

Ziegel, Fliesen, Rohre, Geschirr, Amphoren, Gefäße, Urnen, Waagen, Öllampen, Skulpturen…. Keramik ist eines der häufigsten Materialien, die bei Ausgrabungen entdeckt wurden. Keramik bricht leicht, so dass sie häufig ausgetauscht wurde. Die Scherben, praktisch unveränderlich, erreichen uns nahezu unversehrt, unabhängig von den Lagerbedingungen.

Diese Massen von Scherben, erfordern eine sehr strenge methodische Behandlung. Die Fragmente werden gewaschen, sortiert, inventarisiert, wieder zusammengesetzt, gezeichnet und untersucht. Die Formen der Keramik, die verwendeten Materialien, die Dekorationen und die Techniken variieren mit der Zeit und dem Ort. Die Formen lassen sich auch an sehr kleinen Fragmenten erkennen: Ihre Krümmung zeigt an, ob sie aus einem Krug, einem Topf oder einem Teller stammen.

Kanne

Fragment einer Kanne (Sirkeli, Türkei) © Monamy

Scherben bringen Glück! Aber nur den Archäologen…. 😉

Kategorien: Adventskalender | Schlagwörter: , , , , , , , , | 2 Kommentare

Q wie …

Quellen

Woher wissen wir so vieles über unsere Vorfahren?  Quellen helfen uns in diesem Fall weiter. Was sind Quellen? Quellen sind „alle Texte,  Gegenstände oder Tatsachen,  aus denen Kenntnis der Vergangenheit gewonnen werden kann“. So definiert der deutsche Historiker Paul Kirns (1890 -1965) den Begriff Quelle  in seiner „Einführung in die Geschichtswissenschaft. Natürlich muss die Forschungsrichtung bzw. das Forschungstehema des jeweiligen Forschers berücksichtigen,  denn es können andere Definitionen hinzugefügt werden. Sekundärliteratur sind keine Quellen. Diese sind moderne Fachliteratur. Eine Quelle wäre z.B die Tontafel 4644 aus der Yale Babylonian Collection, worauf einige Rezepte aus der Zeit von Hammurabi zu lesen sind. Sekundärliteratur sind alle Abhandlungen zu dieser Tontafel wie Übersetzungen,  Kommentare oder Analysen zum Inhalt.

Für meinen Bereich der Essgewohnheiten in der Antike gibt es verschiedene Arten von Quellen: Texte und Inschriften für Mesopotamien und das Römische Reich (Rezepte oder sogar Kochbücher, Rationenlisten, Lieferlisten an den Palast,  usw…), archäologische Befunde wie Müllgruben (mit Essensreste oder Küchenabfälle), Kochinstallationen (Feuerstelle, Küchen usw…) oder Funde (zum Unterschied zwischen Funde und Befunde siehe meinen Beitrag zum Thema „Grabung) wie Töpfe (ganz oder zerbrochen), bildliche Darstellungen von Festen oder Essensszenen (Wandmalereien aus Pompeji oder die Wandreliefs in den assyrischen Palästen), Gefässe aber auch verkohlte Samenreste, die Dank der Archäobotanik analysiert werden können.

All diese Informationen aus verschiedenen Quellen ermöglichen uns mehr oder weniger genaueren Blick in antike Kochtöpfe werfen zu können!

20191026_124631

Gefangene bekommen Essen,  Neuassyrisches Reich

Kategorien: Adventskalender | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

P wie …

Pfahlbauten

Pfahlbauten sind Holzbauten, die auf Pfählen gebaut wurden.  Sie befinden sich in der Nähe von Flüssen oder Seen aber auch Sümpfe und Meere. Pfahlbauten kommen immer in Verbindung mit Wasser vor. Man kennt sie auch unter dem Begriff „Seeufersiedlung“ oder „Palafite“. 

Pfahlbauten gibt es seit der Steinzeit bis in die Gegenwart. Besonders im Alpenraum (Frankreich,  Schweiz, Deutschland, Österreich, Italien und Slowenien) sind viele dokumentiert. Diese datieren in die die Zeit zwischen dem 5. und dem 1. Jh. v. Chr..  Heutzutage begegnet man sie eher in Südostasien, wo sie in Hotelanlagen oder als Restaurants zu sehen sind, oder in Südamerika und Neuguinea.

Die Pfahlbauten aus der Vor- und Frühgeschichte standen nicht im Wasser sondern in dessen unmittelbarer Nähe. Erst mit dem Anstieg des Wasserspiegels wurden sie überflutet. 

Warum wurde die Bauweise bevorzugt? Archäologen erkennen drei Gründe für diese Holzbauten:

  1. Die Bauten wurden in der Nähe von Wasser gebaut. Die Gefahr einer Überschwemmung waren Realität. Mit erhöhten Wohnbauten schützten die Menschen sich und ihre Güter.
  2. Die Menschen sammelten und produzierten lebensnotwendige Vorräte und Alltagsgegenstände. Besonders die Lebensmittel zogen Raubtiere an. Die Pfahlbauten waren ein Schutz vor Tieren,  die nicht durch einfache Leitern auf die erhöhten Plattformen steigen konnten.
  3. Diese einfachen Leitern bestanden meistens aus einem langen Stamm, in dem Einkerbungen für die Füße geschnitzt wurden. Auch für Menschen war der Weg hinauf nicht einfach. Wer keinen unerwünschten Besuch haben wollte,  konnte die Leiter einfach hinaufziehen. Die Pfahlbauten waren auch gegen benachbarten (eventuell verfeindeten) Menschen ein Schutz.

Die ersten Pfahlbauten wurden 1853 im Zürichersee entdeckt. 2011 wurden 111 steinzeitlichen Pfahlbausiedlungen aus der Schweiz,  Deutschland, Frankreich, Österreich, Italian und Slowenien auf die Liste des UNESCO Weltkulturerbes registriert. 56 fundorte liegen in der Schweiz! 

20180710_160326.jpg

Lac de Chalain © Monamy

Leider sind die Fundorte in Frankreich (lac de Chalain und lac de Clairvaux) nicht für die Öffentlichkeit zugänglich. Lediglich ein verrostete Schild weist auf eine steinzeitliche Siedlung hinter einem hohen Zaun hin.  Dafür kann ich das Pfahlbautenmuseum in Unteruhldingen am Bodensee jedem ans Herz legen. Die nachgebauten Häuser geben einen sehr guten Eindruck, wie sie damals errichten wurden.  In Österreich sind in Seewalchen, am Mondsee und am Attersee viele Stationen am Ufer mit Erklärungen für Besucher aufgestellt worden. Auch Taucher können unter Wasser zwischen nachgebauten Pfahlbauten schwimmen.

20190714_141216

Pfahlbauten in Unteruhldingen © Monamy

 

Kategorien: Adventskalender | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

K wie …

Königsgrab von Qatna

Ich hatte das Glück bei Grabungen in Mishirfeh (Syrien) teilzunehmen. Während meines Studiums in Beirut (Libanon) hatte ich Professoren aus dem Libanon, Frankreich und Syrien. Darunter auch Michel al-Maqdissi vom damaligen syrischen Antikendienst, der die Grabung in Mishirfeh leitete. Der Fundort wurde schon in den 1920er durch Du Mesnil du Buisson, einem französischen Jesuiten-Pater erforscht. Doch damals wurden nur wenige Funde ans Tageslicht gebracht, darunter Skelette, Waffen, Tongefässe und Teile einer ägyptischen Spinx. Ein Palast aus dem 14. Jh. v. Chr. wurde ebenfalls gefunden. Die moderne Grabung war von 1999 bis 2011 eine internationale Kooperation zwischen dem syrischen Antikendienst, der Universität Tübingen (Prof. Peter Pfälzner) und der Universität Udine (Prof. Daniel Morandi Bonacossi). 

Qatna, wie der antike Name der Stadt lautet, ist nicht nur aus den Grabungen des 20. Jhs. bekannt, sondern auch aus vielen Texten und Briefen. Es soll schon eine ältere Siedlung gegeben haben, doch im 2. Jh. war Qatna ein wichtige Metropole, die den Handel zwischen Ägypten und Mesopotamien und teilweise dem Hethiterreich kontrollierte.

2002 wurde unterm Palast eine unversehrt Grabanlage gefunden. Gehofft hatten wir schon im Sommer auf außergewöhnliche Funde, da ein langer Korridor mit Türen und Keilschrifttexte ausgegraben wurden. Als er immer tiefer und sogar um eine Ecke ging und da in einem tiefen Schacht endete, waren alle angespannt. Diese Vorkammer konnte nur eines bedeuten: es muss ein Grab geben. Da wir unter einem Palast sind, kann es nur ein Königsgrab sein. Nun stellte sich die Frage in welchem Zustand sei das Grab: schon in der Antike geplündert oder noch vollkommen unberührt? Bald wurde tatsächlich die Erde lockerer und ein schwarzes Loch entstand. Mit einer Taschenlampe erkannten wir Gefässe und es glitzerte! Um die Gesundheit des Teams nicht zu gefährden, wurden Proben entnommen und auf Schimmelpilze analysiert. Erst nach eintreffen der Resultate konnte mit den Arbeiten in der Gruft begonnen werden. Die Grabungskampagne wurde zwei Mal verlängert. Am 23. Dezember reisten die letzten Mitglieder nach Hause!

20191210_182618

Eingang des Grabes

Mishirfeh-Qatna befindet sich ca. 180km nordöstlich von Damaskus und ca. 18km von Homs entfernt. Die Erfahrungen, die ich dort sammeln durfte, sind unbeschreiblich und ich kann verstehen wie Howard Carter vor der Grabkammer Tutanchamun stand und gleichzeitig fasziniert und sprachlos war.

20191210_182655

Blick ins Grab

Ich durfte damals keine Fotos machen, deshalb stammen alle Bilder hier von der offiziellen Homepage www.qatna.de. Hier kann auch eine genaue Beschreibung der Grabung und der Funde nachgelesen werden.

Kategorien: Adventskalender | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

I wie …

 

Ich

Damit die Leser mich besser kennen lernen, stelle ich mich vor. Ich heiße Elisabeth Monamy und bin Archäologin, mit Spezialgebiet dem Nahen Osten und die Essgewohnheiten unserer Vorfahren.

KSA, 1998

In der Wüste in Saudi-Arabien

Als Tochter einer Diplomatin bin ich viel herumgereist. Geboren wurde ich in Frankreich, aufgewachsen bin ich zwischen Europa und der Arabischen Halbinsel. Die Matura machte ich 1999 am Lycée Francais in Wien. Mein Archäologie-Studium habe ich bis zum Magister in Beirut (Libanon) absolviert. Dann bin ich nach Europa zurückgekommen (München), um meine Doktorarbeit zu schreiben. Nebenbei nehme ich seit 1999 an Ausgrabungen in Frankreich, Österreich, Libanon, Syrien, Deutschland, Jemen und Türkei teil.

E.Monamy

Ausgrabung in Zafar / Jemen 2009

2005 habe ich eine Sanitätsausbildung im Bayerischen Roten Kreuz absolviert. Heute noch bin ich ehrenamtlich in dieser Funktion tätig auch wenn sich meine Arbeit auch auf den Katastrophenilfsdienst des Wiener Roten Kreuzer erweitert hat.

2008 habe ich eine Assistentenstelle i.A. an der Universität Wien bekommen. Im Institut für Orientalistik habe ich Erfahrung in der Lehre und in der  Organisation von Studienreisen gesammelt. Es war eine sehr interessante und spannende Aufgabe und die Arbeit mit Studenten sehr bereichend.

FB_IMG_1491331584563

Science-Slam Wien Metropol 2017

2015 gründete ich das Einzelunternehmen Archeomuse e.U. um einem breiten Publikum die Archäologie und Geschichte auf unterhaltsame Art näher zu bringen. Mehr dazu gibt es hier. Mittlerweile halte ich Vorträge zu den Ess- und Kochgewohnheiten von der Steinzeit bis ins frühe Mittelalter und biete antike Kochkurse an!

Monamy (23 von 23)

 

Kategorien: Adventskalender | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

G wie …

 

Grabung

Eine Grabung oder Ausgrabung ist das Freilegen eines archäologischen oder paläontologischen Befundes oder Fundes. Archäologen unterscheiden zwischen Befund und Fund: Ein Befund ist ein Fundkontext, eine unbewegliche Struktur während ein Fund ein beweglicher Gegenstand ist. Eine Mauer,  ein Fußboden,  ein Grab oder eine Grube sind Befunde, ein Skelett,  ein Topf,  Kleidungsstücke,  Schmuck, eine Pfeilspitze dagegen sind Funde. Ein Fund ohne Befund kann nur wenig Auskunft geben.

Archäologen unterscheiden zwischen einer Rettungsgrabung (auch Notgrabung genannt) und einer Forschungsgrabung.  Bei letzterem stehen ausreichend finanzieller Mittel und Zeit für eine ausführliche und umfassende wissenschaftliche Forschung während bei der Notgrabung eine bevorstehende oder schon vorangegangene Baumaßnahme die Befunde und Funde gefährden oder schon beschädigt haben. Derzeit finden kaum Forschungsgrabungen in Europa statt. Die meisten Archäologen sind durch die vielen Bautätigkeiten in den Städten oder Autobahnausdehnungen mit Rettungsgrabungen ausgelastet.

tn_Ausgrabungen der Uni Jena in Portugal, September 2011

Ich habe selbst im Winter 2007-2008 in Bayern bei Ausgrabungen in Zuge der A8-Erweiterung zwischen München und Augsburg bei solch einer Notgrabung gearbeitet. Neben der Kälte und dem eingefrorenen Boden wurde die Arbeit durch den Autobahnlärm sowie die Bagger ein paar Meter entfernt erschwert. Auch de Sicherheitsvorkehrungen waren enorm, was ich aus Forschungsgrabungen im Orient nicht kannte. Meine erste praktische Erfahrung in der Archäologie überhaupt war eine Notgrabung in Zentralfrankreich (in der Nähe von Limoges).  Ein Einkaufszentrum wurde gebaut und beim ersten Spatenstich wurden Reste einer, wie sich später herausgestellt hatte, gallischen Siedlung entdeckt. Obwohl die Zeit drängte, hatte sich der zuständige Archäologe sehr viel Zeit genommen,  um mich einzuschulen.

44660566_303

Einsatz von Baggern in der Ausgrabung

Eine Grabung ist per Definition eine Zerstörung,  da wir uns Schicht für Schicht vorarbeiten und die Erde abtragen. Dementsprechend kann eine Grabung auch nicht wiederholt werden. Deshalb ist die Dokumentation schon während der Ausgrabung extrem wichtig. Die Dokumentation besteht aus Zeichnungen, Fotos,  Messungen usw… Auch in Zeiten der Digitalisierung greifen Archäologen gern zum Bleistift und Papier. Aber auch die Hightech hat die Forschung erreicht: Heutzutage kommen digitale Messverfahren in unterschiedlicher Ausprägung (Teodolit, 3-D Modelle, AR und VR Rekonstruktionen, LIDAR usw…) zum Einsatz. Archäologische Projekte gleichen daher nicht selten Hightech-Unternehmungen.

magnetisme

Magnetresonanz

 

Kategorien: Adventskalender | Schlagwörter: , , , , , , , , , | Ein Kommentar

A wie …

 

Archäologie!

Heuer im Advent möchte ich jeden Tag einen anderen, eventuell neuen, Einblick in meinen Beruf geben. Und das in alphabetischer Reihenfolge!!!

Am 1. Dezember fangen wir also mit „A“ an.  „A“ wie Archäologie!

Der Begriff Archäologie leitet sich von den griechischen Wörtern „archeo“ und „logos“ ab. „archeo“ bedeutet „alt“ und „logos“ „Wissenschaft“. Dementsprechend ist die Archäologie die Wissenschaft, die das Alte studiert. Je nach Land wird die Archäologie in verschiedene Bereiche unterteilt: in Deutschland und Österreich z.B. gibt es die Vor- und Frühgeschichte (von der Steinzeit bis zu den Kelten), die Klassische Archäologie (Griechenland und Rom), die Provinzialrömische Archäologie (das gesamte Römischen Reich), die alte Geschichte, die Geschichte des Mittelalters und die Neue Geschichte, nur um die wichtigstenzu nennen. Dann gibt es noch spezifische Studienrichtungen wie z.B. die Vorderasiatische Archäologie,  die Archäologie Chinas,  die Archäologie Lateinamerikas,  die Ägyptologie usw…. Im englischsprachigen Raum befasst das Studium der Archäologie ein breiteres Spektrum,  es ist nicht nur auf eine Periode oder einen geographischen Rahmen begrenzt. Alle Bereiche befassen sich mit dem Menschen und seinem Leben.

E.Monamy

Ausgrabung in Zafar / Jemen 2009

Archäologen lüften die Geheimnisse unserer Vorfahren durch Ausgrabungen und dem Studium der gefundenen Überreste.  Diese Überreste können kleine Funde sein wie Schmuck,  Statuetten, Siegel,  Skelette, Alltagsgegenstände oder größere wie Architekturreste (Mauern,  Gräbern, ganze Gebäude oder ganze Städte) oder auch schriftliche Überlieferungen wie Texte und  Inschriften.

Die Ausgrabung ist der beste Weg um Informationen aus der Erde zu bekommen. Doch eine Grabung kann nicht wiederholt werden, da wir beim Graben die Besiedlungssschichten zerstören. Deshalb ist die Dokumentation während der Grabung extrem wichtig. Die Dokumentation besteht aus Zeichnungen, Fotos,  Messungen usw… Dazu kommen wir noch in einem späteren Beitrag genauer zu sprechen.

Monamy (16 von 23) (Mobile)

Archäologen arbeiten sehr eng mit anderen Wissenschaftlern zusammen: Texte und Inschriften werden von Philologen näher untersucht,  organische Materialien (Holz, Stoffe,  Haut, Lebensmittel…) werden von  Naturwissenschaftlern unter die Lupe genommen. Fotografen richten jedes Objekt ins richtige Licht und Zeichner können jedes noch so kleines Detail erkennen.

Archaeologie

Archäologen arbeiten nicht nur draußen bei jedem Wetter und zu jeder Jahreszeit, sondern auch in Museen,  in Forschungsinstituten oder unterrichten an einer Universität.

 

 

Kategorien: Adventskalender | Schlagwörter: , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Create a website or blog at WordPress.com