Beiträge mit dem Schlagwort: Museum

R wie …

 

Reenactment

Unter dem englischen Begriff Reenactment versteht man eine neue Inszenierung historischer Ereignisse. Diese Inszenierung oder Nachstellung sollte so authentisch wie möglich sein, also mit der passenden Kulisse, Bekleidung, Musik, Ausstattung usw… Üblicherweise werden konkrete Ereignisse aus der näheren Vergangenheit bis ins Mittelalter nachgespielt,  vereinzelt werden aber auch Episoden aus der Antike wieder zum Leben erweckt. Wichtig ist, dass Reenactment immer zeit- und ortsgebunden ist.

Der wissenschaftliche Ansatz spielt beim Reenactment eine zentrale Rolle: es geht hier wirklich darum eine Situation oder ein Ereignis aus der Vergangenheit so authentisch wie möglich durchzuspielen. Meistens sind es militärische Schlachten, die den Weg in die Öffentlichkeit finden, wie z.B die Schlacht gegen Napoleon bei Aspern.

Durchgeführt werden diese Reenactment durch Vereine, die sich zur Aufgabe gemacht haben die Geschichte wiedererlebbar zu machen. Sie werden teilweise auch für Dokumentarfilme oder von Museen gebucht,  um vor Publikum zu spielen.

Reenactment und experimentelle Archäologie (Link!) werden immer wieder zusammengebracht, da beide eine Platform für den Austausch von Erfahrungen und Experimente bieten. Im Gegensatz dazu gibt es auch noch die LARP (live Action role playing). Hier steht der Spaßfaktor im Vordergrund, die historische Authentizität allerdings nicht. Auch wenn die meisten Spiele auf historische Zeiten zurückgreifen,  werden sie mit viel Fantasy vermischt. Es handelt sich hier um Rollenspiele, wo jeder seine Figur zu einem größeren Thema selbst ausdenken kann.

Das älteste Reenactment führt ins Römische Reich zurück! Denn Schlachten wurden in Rom für die Bürger im Kolosseum nachgespielt, damit sie verstehen und mitbekommen, was in entfernten Provinzen gerade passiert. Auch im Mittelalter waren die Passionsspiele beliebt.

Reenactments werden nicht von allen Archäologen und Historiker gerne gesehen, da viele es als Spaß und unseriös ansehen. Dennoch hilft es einem breiten Publikum das Interesse und Verständnis für Geschichte und Ereignisse in der Vergangenheit erlebbar zu machen.

20180707_172458

Château de Montby (Frankreich) © Monamy

Kategorien: Adventskalender | Schlagwörter: , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

P wie …

Pfahlbauten

Pfahlbauten sind Holzbauten, die auf Pfählen gebaut wurden.  Sie befinden sich in der Nähe von Flüssen oder Seen aber auch Sümpfe und Meere. Pfahlbauten kommen immer in Verbindung mit Wasser vor. Man kennt sie auch unter dem Begriff „Seeufersiedlung“ oder „Palafite“. 

Pfahlbauten gibt es seit der Steinzeit bis in die Gegenwart. Besonders im Alpenraum (Frankreich,  Schweiz, Deutschland, Österreich, Italien und Slowenien) sind viele dokumentiert. Diese datieren in die die Zeit zwischen dem 5. und dem 1. Jh. v. Chr..  Heutzutage begegnet man sie eher in Südostasien, wo sie in Hotelanlagen oder als Restaurants zu sehen sind, oder in Südamerika und Neuguinea.

Die Pfahlbauten aus der Vor- und Frühgeschichte standen nicht im Wasser sondern in dessen unmittelbarer Nähe. Erst mit dem Anstieg des Wasserspiegels wurden sie überflutet. 

Warum wurde die Bauweise bevorzugt? Archäologen erkennen drei Gründe für diese Holzbauten:

  1. Die Bauten wurden in der Nähe von Wasser gebaut. Die Gefahr einer Überschwemmung waren Realität. Mit erhöhten Wohnbauten schützten die Menschen sich und ihre Güter.
  2. Die Menschen sammelten und produzierten lebensnotwendige Vorräte und Alltagsgegenstände. Besonders die Lebensmittel zogen Raubtiere an. Die Pfahlbauten waren ein Schutz vor Tieren,  die nicht durch einfache Leitern auf die erhöhten Plattformen steigen konnten.
  3. Diese einfachen Leitern bestanden meistens aus einem langen Stamm, in dem Einkerbungen für die Füße geschnitzt wurden. Auch für Menschen war der Weg hinauf nicht einfach. Wer keinen unerwünschten Besuch haben wollte,  konnte die Leiter einfach hinaufziehen. Die Pfahlbauten waren auch gegen benachbarten (eventuell verfeindeten) Menschen ein Schutz.

Die ersten Pfahlbauten wurden 1853 im Zürichersee entdeckt. 2011 wurden 111 steinzeitlichen Pfahlbausiedlungen aus der Schweiz,  Deutschland, Frankreich, Österreich, Italian und Slowenien auf die Liste des UNESCO Weltkulturerbes registriert. 56 fundorte liegen in der Schweiz! 

20180710_160326.jpg

Lac de Chalain © Monamy

Leider sind die Fundorte in Frankreich (lac de Chalain und lac de Clairvaux) nicht für die Öffentlichkeit zugänglich. Lediglich ein verrostete Schild weist auf eine steinzeitliche Siedlung hinter einem hohen Zaun hin.  Dafür kann ich das Pfahlbautenmuseum in Unteruhldingen am Bodensee jedem ans Herz legen. Die nachgebauten Häuser geben einen sehr guten Eindruck, wie sie damals errichten wurden.  In Österreich sind in Seewalchen, am Mondsee und am Attersee viele Stationen am Ufer mit Erklärungen für Besucher aufgestellt worden. Auch Taucher können unter Wasser zwischen nachgebauten Pfahlbauten schwimmen.

20190714_141216

Pfahlbauten in Unteruhldingen © Monamy

 

Kategorien: Adventskalender | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

A wie …

 

Archäologie!

Heuer im Advent möchte ich jeden Tag einen anderen, eventuell neuen, Einblick in meinen Beruf geben. Und das in alphabetischer Reihenfolge!!!

Am 1. Dezember fangen wir also mit „A“ an.  „A“ wie Archäologie!

Der Begriff Archäologie leitet sich von den griechischen Wörtern „archeo“ und „logos“ ab. „archeo“ bedeutet „alt“ und „logos“ „Wissenschaft“. Dementsprechend ist die Archäologie die Wissenschaft, die das Alte studiert. Je nach Land wird die Archäologie in verschiedene Bereiche unterteilt: in Deutschland und Österreich z.B. gibt es die Vor- und Frühgeschichte (von der Steinzeit bis zu den Kelten), die Klassische Archäologie (Griechenland und Rom), die Provinzialrömische Archäologie (das gesamte Römischen Reich), die alte Geschichte, die Geschichte des Mittelalters und die Neue Geschichte, nur um die wichtigstenzu nennen. Dann gibt es noch spezifische Studienrichtungen wie z.B. die Vorderasiatische Archäologie,  die Archäologie Chinas,  die Archäologie Lateinamerikas,  die Ägyptologie usw…. Im englischsprachigen Raum befasst das Studium der Archäologie ein breiteres Spektrum,  es ist nicht nur auf eine Periode oder einen geographischen Rahmen begrenzt. Alle Bereiche befassen sich mit dem Menschen und seinem Leben.

E.Monamy

Ausgrabung in Zafar / Jemen 2009

Archäologen lüften die Geheimnisse unserer Vorfahren durch Ausgrabungen und dem Studium der gefundenen Überreste.  Diese Überreste können kleine Funde sein wie Schmuck,  Statuetten, Siegel,  Skelette, Alltagsgegenstände oder größere wie Architekturreste (Mauern,  Gräbern, ganze Gebäude oder ganze Städte) oder auch schriftliche Überlieferungen wie Texte und  Inschriften.

Die Ausgrabung ist der beste Weg um Informationen aus der Erde zu bekommen. Doch eine Grabung kann nicht wiederholt werden, da wir beim Graben die Besiedlungssschichten zerstören. Deshalb ist die Dokumentation während der Grabung extrem wichtig. Die Dokumentation besteht aus Zeichnungen, Fotos,  Messungen usw… Dazu kommen wir noch in einem späteren Beitrag genauer zu sprechen.

Monamy (16 von 23) (Mobile)

Archäologen arbeiten sehr eng mit anderen Wissenschaftlern zusammen: Texte und Inschriften werden von Philologen näher untersucht,  organische Materialien (Holz, Stoffe,  Haut, Lebensmittel…) werden von  Naturwissenschaftlern unter die Lupe genommen. Fotografen richten jedes Objekt ins richtige Licht und Zeichner können jedes noch so kleines Detail erkennen.

Archaeologie

Archäologen arbeiten nicht nur draußen bei jedem Wetter und zu jeder Jahreszeit, sondern auch in Museen,  in Forschungsinstituten oder unterrichten an einer Universität.

 

 

Kategorien: Adventskalender | Schlagwörter: , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Create a website or blog at WordPress.com