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Königsgrab von Qatna

Ich hatte das Glück bei Grabungen in Mishirfeh (Syrien) teilzunehmen. Während meines Studiums in Beirut (Libanon) hatte ich Professoren aus dem Libanon, Frankreich und Syrien. Darunter auch Michel al-Maqdissi vom damaligen syrischen Antikendienst, der die Grabung in Mishirfeh leitete. Der Fundort wurde schon in den 1920er durch Du Mesnil du Buisson, einem französischen Jesuiten-Pater erforscht. Doch damals wurden nur wenige Funde ans Tageslicht gebracht, darunter Skelette, Waffen, Tongefässe und Teile einer ägyptischen Spinx. Ein Palast aus dem 14. Jh. v. Chr. wurde ebenfalls gefunden. Die moderne Grabung war von 1999 bis 2011 eine internationale Kooperation zwischen dem syrischen Antikendienst, der Universität Tübingen (Prof. Peter Pfälzner) und der Universität Udine (Prof. Daniel Morandi Bonacossi). 

Qatna, wie der antike Name der Stadt lautet, ist nicht nur aus den Grabungen des 20. Jhs. bekannt, sondern auch aus vielen Texten und Briefen. Es soll schon eine ältere Siedlung gegeben haben, doch im 2. Jh. war Qatna ein wichtige Metropole, die den Handel zwischen Ägypten und Mesopotamien und teilweise dem Hethiterreich kontrollierte.

2002 wurde unterm Palast eine unversehrt Grabanlage gefunden. Gehofft hatten wir schon im Sommer auf außergewöhnliche Funde, da ein langer Korridor mit Türen und Keilschrifttexte ausgegraben wurden. Als er immer tiefer und sogar um eine Ecke ging und da in einem tiefen Schacht endete, waren alle angespannt. Diese Vorkammer konnte nur eines bedeuten: es muss ein Grab geben. Da wir unter einem Palast sind, kann es nur ein Königsgrab sein. Nun stellte sich die Frage in welchem Zustand sei das Grab: schon in der Antike geplündert oder noch vollkommen unberührt? Bald wurde tatsächlich die Erde lockerer und ein schwarzes Loch entstand. Mit einer Taschenlampe erkannten wir Gefässe und es glitzerte! Um die Gesundheit des Teams nicht zu gefährden, wurden Proben entnommen und auf Schimmelpilze analysiert. Erst nach eintreffen der Resultate konnte mit den Arbeiten in der Gruft begonnen werden. Die Grabungskampagne wurde zwei Mal verlängert. Am 23. Dezember reisten die letzten Mitglieder nach Hause!

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Eingang des Grabes

Mishirfeh-Qatna befindet sich ca. 180km nordöstlich von Damaskus und ca. 18km von Homs entfernt. Die Erfahrungen, die ich dort sammeln durfte, sind unbeschreiblich und ich kann verstehen wie Howard Carter vor der Grabkammer Tutanchamun stand und gleichzeitig fasziniert und sprachlos war.

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Blick ins Grab

Ich durfte damals keine Fotos machen, deshalb stammen alle Bilder hier von der offiziellen Homepage www.qatna.de. Hier kann auch eine genaue Beschreibung der Grabung und der Funde nachgelesen werden.

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