Beiträge mit dem Schlagwort: Steinzeit

W wie …

 

Willendorf

Willendorf in der Wachau ist eine kleines Dorf in Niederösterreich im Bezirk Krems. Weltberühmt wurde das Dorf mit 154 Einwohnern (stand 01.01.2019) als 1908 eine 11 cm grosse Figurine bei Ausgrabungen entdeckt wurden. Die Venus von Willendorf! Sie ist nun im Naturhistorischem Museum in Wien zu sehen. Sie gilt als eine der schönsten Venus-Beispiele. Sie ist aus Kalkstein (Oolith aus der Nähe von Brünn) und war ursprünglich mit roter Farbe bedeckt. Die alten Methoden auf einer Grabung beinhalteten das Waschen der Funde mit Wasser. Bei dieser Methode gehen eventuelle Farben oder Farbspuren verloren. Außerdem wurden früher die Funde mit Schellak (Insektenharz) überzogen. Dies stört bei weiteren chemischen Analysen. Interessant ist, dass die Figurine symmetrisch ist, aber kein Gesicht und keine Füße hat. Die dünnen Arme liegen auf dicken Brüsten und die Oberschenkel sind sehr naturnah eingeritzt. 

 

In Europa wurden viele Frauenfiguren gefunden. Sie sind entweder aus Stein, Elfenbein oder auch aus Ton. Sie stammen alle aus der Steinzeit und genauer aus der letzten Eiszeit (ca. 20.000 v. Chr. bzw. Paläolithikum). Ihre Funktion ist noch nicht eindeutig geklärt. Dennoch gehen wir derzeit davon aus, dass sie als Fruchtbarkeitssymbol oder Muttergöttinnen zu deuten sind. Die meisten datieren in Die Zeit zwischen 28.000 und 12.000 v. Chr.. Die sind auf keinen Fall Gebrauchsgegenstände wie ihre männlichen Pendants. Diese Figurinen werden wegen ihrer Nacktheit und nicht in Anlehnung an die römische Göttin Venus genannt. Mittlerweile werden alle Frauenstatuen „Venus“ genannt, auch wenn sie bekleidet sind. 

Venus

Venus von Willendorf – Monamy 2018

 

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P wie …

Pfahlbauten

Pfahlbauten sind Holzbauten, die auf Pfählen gebaut wurden.  Sie befinden sich in der Nähe von Flüssen oder Seen aber auch Sümpfe und Meere. Pfahlbauten kommen immer in Verbindung mit Wasser vor. Man kennt sie auch unter dem Begriff „Seeufersiedlung“ oder „Palafite“. 

Pfahlbauten gibt es seit der Steinzeit bis in die Gegenwart. Besonders im Alpenraum (Frankreich,  Schweiz, Deutschland, Österreich, Italien und Slowenien) sind viele dokumentiert. Diese datieren in die die Zeit zwischen dem 5. und dem 1. Jh. v. Chr..  Heutzutage begegnet man sie eher in Südostasien, wo sie in Hotelanlagen oder als Restaurants zu sehen sind, oder in Südamerika und Neuguinea.

Die Pfahlbauten aus der Vor- und Frühgeschichte standen nicht im Wasser sondern in dessen unmittelbarer Nähe. Erst mit dem Anstieg des Wasserspiegels wurden sie überflutet. 

Warum wurde die Bauweise bevorzugt? Archäologen erkennen drei Gründe für diese Holzbauten:

  1. Die Bauten wurden in der Nähe von Wasser gebaut. Die Gefahr einer Überschwemmung waren Realität. Mit erhöhten Wohnbauten schützten die Menschen sich und ihre Güter.
  2. Die Menschen sammelten und produzierten lebensnotwendige Vorräte und Alltagsgegenstände. Besonders die Lebensmittel zogen Raubtiere an. Die Pfahlbauten waren ein Schutz vor Tieren,  die nicht durch einfache Leitern auf die erhöhten Plattformen steigen konnten.
  3. Diese einfachen Leitern bestanden meistens aus einem langen Stamm, in dem Einkerbungen für die Füße geschnitzt wurden. Auch für Menschen war der Weg hinauf nicht einfach. Wer keinen unerwünschten Besuch haben wollte,  konnte die Leiter einfach hinaufziehen. Die Pfahlbauten waren auch gegen benachbarten (eventuell verfeindeten) Menschen ein Schutz.

Die ersten Pfahlbauten wurden 1853 im Zürichersee entdeckt. 2011 wurden 111 steinzeitlichen Pfahlbausiedlungen aus der Schweiz,  Deutschland, Frankreich, Österreich, Italian und Slowenien auf die Liste des UNESCO Weltkulturerbes registriert. 56 fundorte liegen in der Schweiz! 

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Lac de Chalain © Monamy

Leider sind die Fundorte in Frankreich (lac de Chalain und lac de Clairvaux) nicht für die Öffentlichkeit zugänglich. Lediglich ein verrostete Schild weist auf eine steinzeitliche Siedlung hinter einem hohen Zaun hin.  Dafür kann ich das Pfahlbautenmuseum in Unteruhldingen am Bodensee jedem ans Herz legen. Die nachgebauten Häuser geben einen sehr guten Eindruck, wie sie damals errichten wurden.  In Österreich sind in Seewalchen, am Mondsee und am Attersee viele Stationen am Ufer mit Erklärungen für Besucher aufgestellt worden. Auch Taucher können unter Wasser zwischen nachgebauten Pfahlbauten schwimmen.

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Pfahlbauten in Unteruhldingen © Monamy

 

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O wie …

Obsidian

Obsidian ist ein glasartiges vulkanisches Gestein, das reich an Kieselsäure ist. Grau, dunkelgrün, rot oder schwarz, stammt es von einer sauren Lava.

Laut Plinius dem Älteren würde der Name von Obsius stammen, einer Person aus dem antiken Rom, die zum ersten Mal über die Anwesenheit dieses Gesteins in Äthiopien berichtete. Aber Philologen verbinden diesen Namen mit dem lateinischen „obsidio“, auf Deutsch „einkreisen“

Obsidian wurde in der Vorgeschichte zur Herstellung von Abschläge für Waffen und Werkzeuge verwendet. in der Steinzeit gibt es viele Spuren der Obsidianverwendung in Südeuropa, wo eine Form des Handels und des Transports von Stein aus den Vulkanen des heutigen Italiens entstanden ist. Obsidianwerkzeuge wurden bei Ausgrabungen, insbesondere in Südfrankreich, gefunden. Mit dem Aufkommen des Neolithikums im westlichen Mittelmeerraum vor 8.000 Jahren wurden Netzwerke des Austauschs zwischen den verschiedenen agropastoralen Gemeinschaften eingerichtet, die vier Jahrtausende lang aktiv blieben.

Für alle, die gerne die TV-Serie „Game of Thrones“ anschauen, der „Glasdrache“ bezieht sich auf Obsidian, um gegen die Weißen Wanderer zu kämpfen.

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E wie …

 

Experimentelle Archäologie

Dieses Spezialgebiet der Archäologie widmet sich archäologischer Fragestellungen. Archäologen finden Alltagsgegenstände und möchten Herausfinden wie diese genau verwendet wurden. Besonders im technischen Bereich hilft die experimentelle Archäologie einzelne Bewegungen oder Verwendungen besser zu verstehen. Manche Fragen lassen sich erst durch Experimente beantworten.

Damit die experimentelle Archäologie wirklich unterstützen kann, müssen im Vorfeld genaue Fragen gestellt werden; dazu kommt, dass die Ergebnisse messbar und jederzeit reproduzierbar sein müssen. Natürlich muss jede Arbeit bzw. jeder Arbeitsschritt genauestens dokumentiert werden.  Die Publikation der Ergebnisse kann jedem weiteren Archäologen als eine wichtige Informationsquelle dienen.

Mit Definition erscheinen nun viele Museumsangebote für Schulen als nicht experimentelle Archäologie.  Sie gehören eher zur Museumspädagogik. Zu dieser Vermittlungsarbeit kommen we an anderes mal zu sprechen.

Die Rekonstruktion – also die Herstellung von Materialidentischen und funktionalen Replika – kann tatsächlich nur Dank experimenteller Archäologie durchgeführt werden. um solche Rekonstruktionen durchführen zu können, muss die Person technisch versiert sein und sich mit Archäologie auskennen! Dieses Spezialgebiet nennt man Archeotechnik.

Das vielleicht bekannteste Beispiel der experimentellen Archäologie ist der Bau der einer mittelalterlichen Burg in Frankreich: Guédelon. Seit 1997 werden ausschließlich mit Techniken und Materialien aus dem 13. Jh. eine Burg erbaut.

Der Öffentlichkeit bekannter sind eventuell Experimente, die stark in den Medien präsent waren, wie z.B. „Steinzeit – das Experiment“ 2006 produzierte SWR diese Dokumentation in drei Teilen. Darin geht es um Menschen, die in Pfahlbauten einen Sommer lang wie in der Steinzeit leben sollen.

Wer sich für experimentelle Archäologie interessiert, kann dieses Fach an der Universität Exeter studieren! Ein großes Freigelände sowie ein Labor stehen zur Verfügung. Und wer nicht so weit verreisen möchte, kann in Wien am VIAS (Vienna Institute for Archaeological Science) miterleben wie verschiedene Forschungsfragen gestellt und beantwortet werden.

 

 

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A wie …

 

Archäologie!

Heuer im Advent möchte ich jeden Tag einen anderen, eventuell neuen, Einblick in meinen Beruf geben. Und das in alphabetischer Reihenfolge!!!

Am 1. Dezember fangen wir also mit „A“ an.  „A“ wie Archäologie!

Der Begriff Archäologie leitet sich von den griechischen Wörtern „archeo“ und „logos“ ab. „archeo“ bedeutet „alt“ und „logos“ „Wissenschaft“. Dementsprechend ist die Archäologie die Wissenschaft, die das Alte studiert. Je nach Land wird die Archäologie in verschiedene Bereiche unterteilt: in Deutschland und Österreich z.B. gibt es die Vor- und Frühgeschichte (von der Steinzeit bis zu den Kelten), die Klassische Archäologie (Griechenland und Rom), die Provinzialrömische Archäologie (das gesamte Römischen Reich), die alte Geschichte, die Geschichte des Mittelalters und die Neue Geschichte, nur um die wichtigstenzu nennen. Dann gibt es noch spezifische Studienrichtungen wie z.B. die Vorderasiatische Archäologie,  die Archäologie Chinas,  die Archäologie Lateinamerikas,  die Ägyptologie usw…. Im englischsprachigen Raum befasst das Studium der Archäologie ein breiteres Spektrum,  es ist nicht nur auf eine Periode oder einen geographischen Rahmen begrenzt. Alle Bereiche befassen sich mit dem Menschen und seinem Leben.

E.Monamy

Ausgrabung in Zafar / Jemen 2009

Archäologen lüften die Geheimnisse unserer Vorfahren durch Ausgrabungen und dem Studium der gefundenen Überreste.  Diese Überreste können kleine Funde sein wie Schmuck,  Statuetten, Siegel,  Skelette, Alltagsgegenstände oder größere wie Architekturreste (Mauern,  Gräbern, ganze Gebäude oder ganze Städte) oder auch schriftliche Überlieferungen wie Texte und  Inschriften.

Die Ausgrabung ist der beste Weg um Informationen aus der Erde zu bekommen. Doch eine Grabung kann nicht wiederholt werden, da wir beim Graben die Besiedlungssschichten zerstören. Deshalb ist die Dokumentation während der Grabung extrem wichtig. Die Dokumentation besteht aus Zeichnungen, Fotos,  Messungen usw… Dazu kommen wir noch in einem späteren Beitrag genauer zu sprechen.

Monamy (16 von 23) (Mobile)

Archäologen arbeiten sehr eng mit anderen Wissenschaftlern zusammen: Texte und Inschriften werden von Philologen näher untersucht,  organische Materialien (Holz, Stoffe,  Haut, Lebensmittel…) werden von  Naturwissenschaftlern unter die Lupe genommen. Fotografen richten jedes Objekt ins richtige Licht und Zeichner können jedes noch so kleines Detail erkennen.

Archaeologie

Archäologen arbeiten nicht nur draußen bei jedem Wetter und zu jeder Jahreszeit, sondern auch in Museen,  in Forschungsinstituten oder unterrichten an einer Universität.

 

 

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